15.05.2026 Erwartungen machen blind


“Dein Hund braucht Beschäftigung, sonst sucht er sich selber eine.”

"Dein Hund braucht einen Job, sonst ist er unglücklich."


Wirklich? Solche Aussagen haben mir als unerfahrene Ersthundehalterin enormen Druck gemacht. Sie klangen für mich weniger wie gut gemeinte Erziehungsratschläge, sondern eher wie Warnungen: 


"Sorge bloss dafür, dass deinem Hund niemals langweilig wird und er ja nicht auf dumme Ideen kommt!" 


Also versuchte ich, ihn ständig auszulasten. Auf jedem Spaziergang gab es Signale, Aufgaben oder Beschäftigung - immer mit dem Gefühl, ich müsste ihn permanent sinnvoll beschäftigen, damit bei seiner Erziehung auch ja nichts schiefgeht. Ich kannte meinen Hund noch nicht so gut, hatte kaum Hundeerfahrung und war daher oft etwas unsicher; zudem legte ich zu viel Wert auf die Meinung anderer. Damals war es für mich viel einfacher, meinen Hund mit Aufgaben zu beschäftigen und ihm etliche neue Signal beizubringen, als Entscheidungen zu treffen, klar zu kommunizieren, ihn souverän durch Situationen zu führen und damit Sicherheit auszustrahlen. Weil ich unterwegs beinahe ununterbrochen etwas von meinem Hund verlangte, hatte er kaum Gelegenheit, Fehler zu machen. Sein eigener Entscheidungsspielraum war schlicht zu stark eingeschränkt. Er machte es mir allerdings auch leicht, denn er lernte unglaublich schnell und war immer extrem motiviert mit dabei, bis ihm allerdings irgendwann alles zu viel wurde. Ich orientierte mich vor allem daran, was mein Hund in den ersten zwei Jahren alles lernen und können sollte, damit er zum "perfekten Begleiter" wird. Seine Erziehung arbeitete ich regelrecht Punkt für Punkt wie eine Checkliste ab, anstatt darauf zu achten und zu erkennen, was er wirklich brauchte. Ich hatte hohe Erwartungen an uns beide und damit kam automatisch auch eine lähmende Angst vor Fehlern und falschen Entscheidungen, die mich blind machte.


Ja, Hunde brauchen sinnvolle Beschäftigungen, die ihrem Wesen und ihren Bedürfnissen gerecht werden - ganz besonders Hunde aus der Arbeitslinie. Aber bitte im Mass und nicht im dauerhaften 24/7 Trainings-Modus!


Denn manchmal meinen wir es schlicht zu gut. Oft übersehen wir, wie viele Anpassungsleistungen unsere Hunde in unserem reizintensiven Alltag bereits erbringen müssen. Wenn dann zusätzlich ständig neue Signale, Aufgaben und Erwartungen von uns kommen und gleichzeitig echte Ruhephasen, Klarheit und Struktur fehlen, kann dieser Zustand für manche Hunde auf Dauer belastend werden.


Mein Hund aus der Arbeitslinie hat inzwischen gelernt:

  • Nicht jedes Wort aus meinem Mund, bedeutet einen Auftrag für ihn.
  • Er darf arbeitslos sein und muss nicht immer einen Job haben.
  • Er darf seine Verantwortung an mich abgeben, denn ich schaue für uns beide.
  • Er darf sich auf meine Entscheidungen verlassen und kann auf meine Unterstützung zählen, wenn's für ihn schwierig wird.
  • Er muss weder alles können, noch mit jeder Situation klarkommen und darin funktionieren.
  • Er muss nicht jeden Hund oder jeden Menschen toll finden.
  • Er darf schnüffeln, in seinem Tempo seinen eigenen Weg gehen, selber Entscheidungen treffen und ein gesundes Selbstvertrauen haben.
  • Er darf sich entspannen.
  • Er muss nicht perfekt sein.

Und ich habe gelernt: Auch wenn man noch wenig Hundeerfahrung hat, zeigt einen der eigene Hund oft sehr deutlich, was er braucht. Heute höre ich lieber auf ihn und mein Bauchgefühl, anstatt auf irgendwelche Sätze oder Ratschläge. Ich lege meinen Fokus lieber darauf, was mein Hund in einer jeweiligen Situation überhaupt leisten kann, wenn ich etwas von ihm verlange und passe meine Anforderungen daran an, statt blind daran festzuhalten, was Hunde können müssten und wie sie sich idealerweise verhalten sollten. 


Was Hunde in unserem Alltag alles leisten müssen, ist keineswegs selbstverständlich. Wir sollten ihnen öfter zu verstehen geben, wie toll es ist, wenn sie freiwillig mit uns kooperieren, an lockerer Leine gehen, in unserer Nähe bleiben oder uns einfach so einen Blick schenken. Und auch an uns selbst sollten wir die Erwartungen anpassen und akzeptieren, dass Fehler passieren dürfen und falsche Entscheidungen zum Lernprozess dazugehören. Der Alltag ist unvorhersehbar und anspruchsvoll, auch wir können nicht jede Situation immer perfekt meistern. 


Oft wissen wir auch sehr genau, wie sich unsere Hunde nicht verhalten sollen. Aber wissen wir auch, welches Verhalten wir stattdessen von ihnen sehen wollen? Und wenn wir selbst keine klare Vorstellung davon haben, wie sollen unsere Hunde denn wissen, was wir von ihnen erwarten?


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13.04.2026 Dogmom? Nein - ich bin Reisebegleiterin

Auf Reisen lerne ich unsere Fluffs jedes Mal ein wenig besser kennen. Mittlerweile kennen wir uns ziemlich gut, denn wir sind schon oft und lange zusammen verreist. Es zeigt sich, wie wichtig verlässliche Routinen und Strukturen in unserem Alltag sind, um auch in neuer Umgebung entspannt zu bleiben. 


Ich identifiziere mich nicht als „Dogmom“ und ich mag die Bezeichnung nicht. Müsste ich mich mit einem Attribut beschreiben, so wäre es wohl „Reisebegleiterin“ für meine Fluffs. Warum?


Ich reise am liebsten mit der Person an meiner Seite, mit der ich mich wohl fühle und mit der ich Spass habe, die gut plant und vorbereitet ist, die kritische Situationen erkennt und verantwortungsvolle Entscheidungen für uns beide trifft, wenn ich überfordert bin und gerade nicht weiter weiss, die mich gut kennt und Rücksicht nimmt auf die Bedürfnisse aller Beteiligten und, die es mit Humor nimmt, wenn‘s mal nicht perfekt nach Plan läuft. Genau diese Person versuche ich für meine Hunde zu sein - im Alltag und auf Reisen.


Hast auch du Lust, die Rolle der Reisebegleitung zu übernehmen? (Reise-)Tipps, Wissenswertes und Erfahrungen teile ich gerne mit dir. 


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18.02.2026 Warum sich mein Junghund über meine Grippe freute

Mein erster Hund ist ein Labrador Retriever aus der Arbeitslinie: aktiv, lernfreudig und immer bereit für Action. Ich wollte alles richtig machen. Also plante ich auf jedem Spaziergang Training ein, besuchte Hundeschulen, machte die Ausbildung bei Prevent-a-Bite und nahm Django so oft wie möglich mit zur Arbeit in die Kita. Auch am Wochenende war Programm angesagt: Berge, Snowboarden, Skaten, Campieren, Wandern, Freunde besuchen. Ich war Anfang dreissig, mein Hund sollte zu meinem aktiven Leben passen und überall dabei sein. Unser Alltag war abwechslungsreich, aber unregelmässig. Mal Frühdienst, mal Spätdienst. Mal kam er mit, mal blieb er zu Hause. Kein Tag glich dem anderen. Zu Hause fand Django nicht zur Ruhe. Er lief mir ständig nach, wollte spielen oder trainieren und war schnell überdreht. Ich dachte, er brauche mehr Beschäftigung, also machte ich mehr mit ihm, bis er irgendwann erschöpft einschlief. 


Als Django knapp 1,5 Jahre alt war, erwischte mich eine schwere Grippe. Drei Wochen lang war ich ausser Gefecht gesetzt. Es gab nur kurze Spaziergänge im Quartier und drinnen Futtersuchspiele für die mentale Auslastung. Keine Ausflüge, kein Training, keine Action. Ich war besorgt und hatte ein schlechtes Gewissen, doch nach ein paar Tagen stellte ich etwas Unerwartetes fest: Er forderte nicht mehr Aktivität sondern er passte sich meiner Situation an. Wir schliefen beide viel, die Tage waren unspektakulär und gleichförmig. Mein junger Hund wirkte zufrieden und ausgeglichen. Zum ersten Mal hatte sein überreiztes Nervensystem Zeit, sich zu beruhigen.


Nach meiner Genesung kehrte ich zum alten Tempo zurück und dachte mir nicht viel dabei. Wenige Monate später veränderte sich meine Lebenssituation unerwartet. Trennung, Umzug, neue Stadt, neue Wohnung, neuer Job, mehr Verantwortung, neuer Alltag, Pandemie, meine eigene Befindlichkeit. Für meinen sensiblen Hund war das zu viel. Mir fehlte die Energie und ich traf auf Spaziergängen weniger Entscheidungen. Django begann, alltägliche Situationen als bedrohlich zu bewerten und verbellte plötzlich alles und jeden. Spaziergänge wurden anstrengend und ich immer unsicherer. In den ersten Jahren habe ich - durch meine liebevolle Inkompetenz, mangelnde Erfahrung und plötzliche Veränderungen meiner Lebensumstände - ungewollt genau das Gegenteil von dem erreicht, was ich mir für die Erziehung meines ersten Hundes vorgenommen hatte. Aus meinem aktiven, lernfreudigen Begleiter wurde ein reaktiver Hund.


Django war der Stress irgendwann deutlich anzusehen: steifer Gang, verkrampfte Muskulatur, angespannte Mimik, stechender Blick mit verengten Pupillen, ständig hohes Tempo und kaum ruhiges Schnüffeln, innere Unruhe, Schwierigkeiten bei Hundebegegnungen (ein potentieller Konflikt bedeutete ein zusätzlicher Stressor, den er in seinem Zustand nicht mehr adäquat lösen konnte), langes Nachhecheln zu Hause auch dann, wenn die Aktivität schon längst vorbei war etc.


Mir wurde dann immer wieder gesagt, mein Hund brauche mehr Ruhe und mehr Selbstbeherrschung. Das Prinzip von Impulskontrolle war mir bekannt, aber trotzdem wurde sein Zustand nicht besser, je mehr Impulskontroll-Übungen ich mit ihm machte und je mehr er sich im Alltag beherrschen musste. Mehr Anforderungen, mehr Aushalten, mehr Druck machten es eher noch schlimmer. "Draussen" bedeutete für ihn seit dem Welpenalter immer Training, Spiel oder neue Eindrücke. Seine Erwartungshaltung war derart hoch, dass er ebenso schnell in den Frust kippte. Wie sollte er da einfach ruhig liegen, im Restaurant, zu Besuch oder neben einer Parkbank? In diesem Zustand halfen auch Schleckmatten, Kongs oder andere Schnüffelspiele nur noch bedingt. Lediglich am Bahnhof oder an der Bushaltestelle konnte er ruhig sitzen und warten, denn dort wusste Django genau, was als Nächstes geschehen würde. Rückblickend hätte ich damals erkennen müssen, wie wichtig mehr Vorhersehbarkeit für diesen Hund gewesen wäre.


Irgendwann musste ich leider einsehen, dass mein aktiver und unregelmässiger Alltag für meinen Hund zu stressig war und ich es verpasst habe, ihm die nötige Ruhe beizubringen. Hunde ruhen oder schlafen bis zu 18 Stunden pro Tag. Besonders Welpen orientieren sich am Rhythmus der Mutterhündin. Sobald sie in ihr neues zu Hause kommen, verändert sich ihr Rhythmus schlagartig. Wir Menschen sind tagsüber aktiv, bewegen uns viel, reden, wechseln ständig die Tätigkeit. Ein Welpe passt sich unserem Rhythmus an, auch wenn dieser für ihn eigentlich viel zu aufregend ist. Sehr aktiven Hunden fällt es schwerer, mit diesen vielen neuen Eindrücken, den Menschen die ständig hin- und herlaufen und spannende Dinge tun, auch zur Ruhe zu finden. Sehr aktive Hunde brauchen nicht mehr Action sondern Unterstützung beim Herunterfahren, eine verlässliche Alltagsroutine, Ruhe- und Rückzugsmöglichkeiten. Nur ausgeruhte Hunde sind lern- und anpassungsfähig. Genau diese wichtige Lektion habe ich bei Django im Welpenalter verpasst.


Könnte ich die Zeit zurückdrehen, würde ich heute manches anders angehen. Django ist inzwischen fast 10 Jahre alt und er macht vieles wirklich sehr gut. Er wird nie das stabilste Nervenkostüm haben, aber er kann heute mit viele Situationen deutlich gelassener umgehen. Dass er sich so entwickelt hat, liegt auch daran, dass ich sein Umfeld bewusst angepasst habe, damit er überhaupt erst lernen konnte, zur Ruhe zu kommen. Indem ich seine Lebensbedingungen veränderte, arbeitete ich weniger direkt an seinem Verhalten, sondern vielmehr am Zustand, der zu diesem Verhalten führte. Im Grunde genommen schaffte ich einen Alltag, der besser zu seinem Wesen passte und weniger zu meinen Vorstellungen eines "perfekten Begleiters". Ich reduzierte seine Grundstresslast. Bei Django - und anderen Hunden aus der Arbeitslinie - läuft ein hochaktives Arbeitssystem im gesamten Alltag im Hintergrund mit. Ein Hund, der über längere Zeit völlig "überarbeitet" ist und schon bei den kleinsten Reizen oder Veränderungen beinahe aus dem Fluff fährt, weil sein Nervensystem regelrecht kollabiert, kann sich nicht mehr einfach so selbst regulieren. Wir trainieren vergeblich bessere Impulskontrolle, mehr Ruhe und mehr Selbstbeherrschung, doch egal, wie viel trainiert wird, es wird nicht besser. 


Unter chronischem Stress fällt es Hunden – genauso wie Menschen – schwerer, ihre Impulse zu kontrollieren. Die Hirnbereiche, die für Selbstkontrolle, bewusstes Abwägen und flexible Entscheidungen zuständig sind, arbeiten unter chronischem Stress weniger effektiv. Gleichzeitig gewinnen automatische und emotionale Reaktionen an Einfluss. Die Fähigkeit zur Impulskontrolle ist also nicht verschwunden, sie ist unter Stress lediglich eingeschränkt und dadurch deutlich schwerer abrufbar. Bei Django passte also das gesamte System "Alltag" nicht und so konnte sich auch das Training nicht verbessern. Mein Hund lernte erst, seine Impulse besser zu kontrollieren, als ich die Voraussetzungen veränderte, seine Stresslast reduzierte und damit die Basis schaffte, dass Regulation und Lernen überhaupt möglich wurden.


Heute unterscheiden wir klar zwischen "Training" und "Freizeit". Spaziergänge sind meistens "Freizeit". Es es darf viel geschnüffelt werden, etwas, das Django anfangs erst lernen musste. Nicht jedes Wort von mir bedeutet einen Auftrag. Manchmal stehen wir einfach da und tun nichts. Das fällt uns beiden noch immer schwer, aber wir üben. Heute ist auch unser Tagesablauf meistens ähnlich und vorhersehbar, egal ob an Wochentagen, an Wochenenden oder auf unseren Reisen. Ausserdem treffe ich viele Entscheidungen, damit er sich nicht konstant verantwortlich fühlen muss. So wird der Alltag klar, vorhersehbar, berechenbar und verlässlich, egal wo auf der Welt wir sind. Für einen sensiblen, schnell erregbaren Hund wie Django ist das Gold wert.

Wir können von unseren Hunden keine Gelassenheit erwarten, wenn wir selbst rastlos durch den Alltag hetzen und keine innere Ruhe ausstrahlen. Wir können aber das Umfeld für unsere Hunde bewusst gestalten. Auch ich durfte erst lernen, langsamer zu werden. Ich bin keine Freundin von erzwungener Achtsamkeit oder übertriebener Selbstfürsorge / -Optimierung, wenn diese nur dazu dienen, in einer ungesunden Umgebung besser zu funktionieren. Aber meinen Hunden zuliebe schalte ich gerne einen Gang zurück, denn Perfektion ist kein erstrebenswertes Ziel. Danke, Django, für diese wertvollen Lektionen, mein fluffiger schwarzer Spiegel 🖤.


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01.02.2026 Befähigung statt Abhängigkeit

Was ist eigentlich mein Trainingsansatz? Schwer zu sagen, denn für mich gibt es weder Schwarz noch Weiss. Ich interessiere mich hauptsächlich für alle Nuancen, die dazwischen liegen. 


Kein Mensch-Hunde-Team ist wie das andere. Das Spektrum an Voraussetzungen, Erfahrungen und Vorwissen ist riesig. Deshalb gibt es für mich nicht DEN einen Ansatz, der für alle passt. Klar, Gewalt, Druck und Zwang lehne ich grundsätzlich ab. Doch in erster Linie geht es mir darum herauszufinden: Wen habe ich vor mir? Welche Voraussetzungen bringen diese beiden Individuen mit? Was ist realistisch und in ihrem Alltag wirklich umsetzbar? Und ganz wichtig: Sind sie bei mir richtig? Erkenne ich, dass ein anderer fachlicher Schwerpunkt - etwa im Verhaltenstraining - sinnvoller wäre, kommuniziere ich das offen und ehrlich und empfehle passende Fachpersonen, damit das Team bestmöglich begleitet wird.


Ideologien zu vertreten ist nicht mein Ding. Der Einsatz von Futter als Belohnung im Training, in der Erziehung und im Alltag mit Hunden ist kein Dogma. Futter ersetzt weder Bindung noch Beziehung und hat nichts mit Bestechung zu tun. Richtig eingesetzt ist Futter einfach ein hilfreiches Werkzeug - genauso wie Lob oder Spiel. Deshalb nutze ich diese Werkzeuge ganz bewusst und gerne, um Lernen positiv, klar und fair zu gestalten. Manche Fluffs profitieren mehr von gutem Management und verantwortungsvollen Entscheidungen des Menschen, damit sie lernen: "Ah, auf meinen Menschen ist Verlass und ich muss nicht jede Situation für uns regeln". Statt starrer Methoden steht für mich das individuelle Team im Mittelpunkt. 


Meinen persönlichen Erfolg messe ich an Aussagen wie:


„Ich freue mich plötzlich über jeden entgegenkommenden Hund!“ 


Obwohl genau das früher das grösste Alltagsthema war. Oder: 


Ich habe verstanden, dass Training nicht linear verläuft und mein Hund auch schlechte Tage hat. Es ist nicht bloss Ungehorsam und auch kein persönliches Versagen, wenn er gerade total abgelenkt oder überfordert ist.“


Was für mich wirklich zählt, sind echtes Interesse an Mensch und Hund und die Freude zu sehen, wenn sich etwas verändert. Es geht eben um mehr, als bloss um zwei Wesen, die irgendwie mit einer Leine aneinander hängen. Manchmal sind es ganz flüchtige und leise Momente. Ein kurzer Blick zu dir in einer überfordernden Situation, so unscheinbar und unspektakulär, dass du ihn anfangs kaum wahrnimmst. Doch genau dort beginnt Veränderung, wenn wir es erkennen. Wenn ein Blick nach Hilfe fragt statt nach Flucht oder Angriff, wird aus Überforderung langsam Orientierung. Genau in diesen Augenblicken beginnt sich etwas zu verändern: Mut entsteht, Vertrauen und Sicherheit wachsen. 


Ich unterstütze gerne, aber nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich. Mein Ziel ist erreicht, wenn ich überflüssig werde, weil Menschen ihre Fluffs verstehen und ihren Weg eigenständig weitergehen können.


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28.12.2025 Level up!

Stell dir das Training mit deinem Fluff wie ein Video-Game vor. Statt zu fixieren und zu drohen, übst du bei Hundebegegnungen ein alternatives Verhalten, wie ein Blickkontakt zu dir. Dieses Verhalten trainierst du Level für Level in unterschiedlichen Alltags-Situationen. Manche Level (aka Situationen) schaffst du easy. Andere sind voller fieser Gegner und Hindernisse (aka Reize). Da heisst es: neu starten, Erfahrungspunkte sammeln, besser werden.


So gamest du richtig:

  • Level grün: Übe ein alternatives Verhalten oder neues Signal zuerst dort, wo es um nichts geht. Zu Hause in ruhiger Umgebung ist Fluff entspannt, ansprechbar und lernt einfach.
  • Level gelb: Draussen mit mehr Ablenkung. Viel Distanz zum Gegner ist wichtig, damit es für Fluff gut machbar ist und er noch denken kann.
  • Level orange oder Boss-Level: Der Ernstfall, wie Hunde-Begegnungen mit wenig Platz, die sonst eskalieren.

Level up! Langsam und geduldig, Boss-Level kommt zuletzt! Bis dahin gamest du nur in Level grün und gelb. Schwierige Situationen regelst du mit gutem Management, viel Distanz und bewussten Entscheidungen, statt sie durchziehen zu wollen.


Alltags-Training ist unspektakulär, doch mit dieser Haltung kann es für dich spannender werden: ein bisschen wie beim Gamen sammelst du Erfahrung, bleibst geduldig und entwickelst dich weiter, ohne zu übertreiben, denn beim Training ist weniger oft mehr. Viel Ruhe und Schlaf sind wichtig, damit Fluff Gelerntes gut verarbeiten kann.


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11.10.2025 Zwei Hunde wie Tag und Nacht

Unsere beiden Hunde könnten kaum unterschiedlicher sein — in ihrer Herkunft, ihren Lernerfahrungen, in ihrer Reizempfindlichkeit und Belastbarkeit, wie selbstständig oder kooperativ sie sind und auch in ihren Vorlieben und Bedürfnissen. Das macht es manchmal ganz schön schwierig, entspannt zusammen unterwegs zu sein. Es ist ein grosser Unterschied, ob wir einzeln spazieren gehen oder ich beide gleichzeitig an der Leine habe. Im Alltag fehlt mir oft die Zeit, jeden Hund einzeln auszuführen oder intensiv an ihren individuellen Themen zu arbeiten. Deshalb muss ich besonders aufmerksam beobachten, Situationen aktiv steuern, Dynamiken frühzeitig erkennen, Verantwortung übernehmen, schnelle Entscheidungen treffen oder schlichtweg gutes Management betreiben. 


Aus diesen Gründen verzichte ich häufig auf Interaktionen mit anderen Hunden, obschon ich weiss, dass sich die Hunde vermutlich gut verstehen oder sich kennen. Besonders nachmittags und abends sind unsere Hunde schneller müde und ihre Impulskontrolle ist gegen Ende des Spaziergangs nahezu aufgebraucht. Die Gefahr ist gross, dass sie im "Spiel" nur noch ungefiltert ihre überschüssige Energie entladen. Eine zunächst freundlich wirkende Begegnung kann plötzlich kippen. Für unsere Strassenhündin sind solche Begegnungen im Wald, kombiniert mit einer hohen Erregungslage, stets auch eine grosse Verlockung, aus dem dynamischen Spiel heraus ins Jagdverhalten zu verfallen. Plötzlich bleibt sie blitzschnell an einer spannenden Fährte hängen, der sie unbedingt folgen muss. Sie befindet sich dann völlig in einer anderen Welt und hört überhaupt gar nichts mehr. In dieser Situation wäre es bei ihr kontraproduktiv, das Rückrufsignal einzusetzen, da es noch nicht ausreichend gefestigt ist und die Ablenkung im Wald bei ihr schlichtweg viel zu gross ist. Das würde den bisherigen Trainingserfolg untergraben und die Wirkung des Signals schwächen.


Ebenfalls verzichte ich eher auf Hundekontakte, wenn einer meiner Hunde eine zu hohe Erregungslage zeigt. Je spannender unsere Strassenhündin einen anderen Hund findet, desto stärker steigt ihre Erregung und desto grösser wird der Frust bei unserem Labrador: "Fluff off, Fremder!" Liesse ich beide gleichzeitig frei, würde der Labrador vermutlich lautstark und wenig charmant versuchen, die entstehende Interaktion der anderen Hunde zu unterbinden. Wenn es die örtlichen Begebenheiten erlauben und unsere Hunde noch fit genug sind, kann daraus eine wunderbare Spiel- und Lernsituation entstehen. Der Labrador lernt, sich zurückzunehmen, dem Spiel der beiden anderen Hunde zuzusehen und den dabei entstehenden Frust auszuhalten. Im Anschluss hat auch er die Möglichkeit, in Ruhe und nach eigenem Wunsch in die Interaktion mit dem fremden Hund einzusteigen. So profitieren alle und unerwünschte Verhaltensmuster werden nicht verstärkt. 


Unseren Hunden geht es nicht schlecht, wenn sie nicht auf jedem Spaziergang Kontakt zu anderen Hunden haben. Keine Hundekontakte sind für uns immer besser als solche, die völlig aus dem Ruder laufen. Und es ist absolut in Ordnung, im Alltag auf Management zurückzugreifen oder bei schwierigen Situationen einfach umzukehren. Auch wir Menschen haben nicht unbegrenzt Zeit, Geduld und Energie. Klar, Training ist wichtig, aber es ist eben nicht alles. Diese Erkenntnis nimmt mir im Alltag viel Druck weg. Perfektion ist kein erstrebenswertes Ziel. Ich kann die gemeinsame Zeit mit meinen Fluffs dadurch viel mehr geniessen, auch wenn sie nicht in allen Situationen perfekt "funktionieren.


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12.09.2025 Wohlfühl-Distanz

Für Labrador Django sind Begegnungen mit fremden Hunden manchmal eine Herausforderung. In den Ferien hingegen laufen diese viel entspannter ab als zu Hause. Warum?

  • fremde Hunde sind in der Regel sicher und geübt im Sozialverhalten. Sie verstehen "hündisch" und kommunizieren selber klar;
  • selten komplett frontale Begegnungen;
  • die Hunde bewegen sich oft ohne Leine;
  • übersichtliches, gleichbleibendes Gelände;
  • wenig verschiedene Umweltreize und dadurch weniger Ablenkungen;
  • kaum Diskussionen um vorhandene Ressourcen;
  • entspannte Menschen;
  • und es gibt viel viel mehr Platz.

Am Strand sucht Django selten aktiv den Kontakt zu anderen Hunden. Er weicht ihnen aus, indem er einen weiten Bogen läuft. Nähert sich ein fremder Hund trotzdem, macht er ihm auf anständige Weise deutlich, ob er Kontakt aufnehmen möchte oder lieber weitergeht. Eine Unterstützung meinerseits benötigt er nicht. 


Zu Hause sieht dies ganz anders aus. Insbesondere bei Hunde-Begegnungen an der Leine auf schmalen Wegen und häufig dann, wenn unserer Hündin Ellis dabei ist. Django's individuelle Wohlfühl-Distanz wäre weitaus grösser und er kann nicht ausweichen. Er fühlt sich selbst und zugleich eine für ihn wichtige Ressource, Hündin Ellis, bedroht. Er verteidigt etwas, das ihm wichtig ist und kommuniziert dies deutlich mit seinem Verhalten: Er wird langsamer, duckt sich, schleicht sich an, fixiert den sich nähernden Hund mit starrem Blick, die Pupillen verengt, die Muskulatur hoch angespannt. Je nach Reaktion des anderen Hundes und ab einer bestimmten Distanz, schnellt er bellend nach vorne, um dem fremden Hund unmissverständlich klarzumachen, dass er besser Abstand hält: "Fluff off!" Django zeigt damit eine stark ritualisierte Form der Aggression. Er ist aber deswegen noch lange nicht böse. Aggressionsverhalten ist in den meisten Fällen Kommunikation unter Sozialpartner:innen und zählt bei Hunden zum Normalverhalten. Eine Ausnahme stellt die Beute-Aggression dar, denn mit Fressbarem wird nicht kommuniziert! Es ist nicht immer einfach zu unterscheiden, ob der eigene Hund lediglich interessiert guckt oder bereits droht und fixiert. Je nach Hund und Situation stecken unterschiedliche Emotionen und Absichten hinter einem Verhalten. Oft verrät mir die Mimik und Körpersprache des fremden Hundes, wie sich die Situation entwickeln wird. Entweder helfe ich meinen Hunden, indem ich mehr Abstand mache oder dem entgegenkommenden Hund, weil die Begegnung mit meinen Hunden für ihn unangenehm ist.


Nichtsdestotrotz sind solche Situationen für mich immer wieder sehr unangenehm. Mit viel Geduld, Verständnis, Management und dem Aufbau eines sinnvollen Alternativverhaltens gelingt es uns inzwischen deutlich besser, Hunde-Begegnungen an der Leine mit wenig Ausweichmöglichkeiten höflicher zu meistern. Ich erkenne seine Auslöser früher und kann Situationen entsprechend steuern. Im Alltag kommt es dennoch gelegentlich zu unvermeidbaren Oops-Situationen, in denen Django bellend in die Leine geht. Besonders in unserem Quartier an Kreuzungen und unübersichtlichen Ecken. Dort ist es schwieriger, weil andere Hunde plötzlich und wie aus dem Nichts auftauchen und es wenig Ausweichmöglichkeiten gibt.


Früher hatte ich die Erwartung, dass sich mein Labrador mit allen Hunden gut verstehen muss und war dann frustriert, als er plötzlich begann, sich unfreundlich zu verhalten. Heute weiss ich, dass seine individuelle Wohlfühl-Distanz grösser ist und dass er bei Hundekontakten wählerisch geworden ist. Sein Alter, Schmerzen aufgrund beginnender Spondylose, die verminderte Sehkraft (Grauer Star) und sein jeweiliger Stresslevel spielen dabei immer eine Rolle. 


Mit mehr Distanz helfe ich Django. Diese Erkenntnisse sind für mich von unschätzbarem Wert. Je besser ich meine Hunde kenne und ihre Bedürfnisse, Emotionen und Motive verstehe, desto entspannter gestaltet sich unser gemeinsamer Alltag. Bedürfnisse verändern sich im Laufe der Jahre und mit gesundheitlichen Einschränkungen. Es ist meine Aufgabe, dies zu erkennen und zu berücksichtigen. Gemeinsame Erlebnisse helfen, unsere Hunde besser zu verstehen.


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31.08.2025 Voll fair!

Stell dir vor:

  • du hast einen neuen Job;
  • du kennst deine Aufgaben nicht;
  • du bekommst keine Einführung;
  • du sprichst eine andere Sprache als deine Teamkolleg:innen;
  • du kennst die kulturellen Gepflogenheiten noch nicht;
  • du wirst unfreundlich korrigiert, wenn du etwas tust, das sich deiner Erfahrung nach bewährt hat;
  • du weisst nicht, welche Erwartungen du erfüllen sollst;
  • du kannst nicht kündigen.

Was denkst du, wie lange würdest du diese Situation aushalten, ehe sich in dir Frust, Demotivation oder gar Wut breit machen?


Unseren Hunden geht es manchmal genau so, denn:

  • wir sprechen andere Sprachen;
  • wir korrigieren, massregeln oder bestrafen unerwünschtes Verhalten, ohne mögliche Ursachen, Auslöser und Emotionen dahinter zu verstehen (z.B. Freude, Schmerzen, Alter, Frust, Überforderung, Angst, Stress, genetische Veranlagung, Schlafmangel, Hitze, unklare Strukturen, negative Vorerfahrungen, erlerntes Verhalten, individuelle Vorlieben oder Abneigungen, Herkunft, Dynamiken, Konstellationen, zu hohe Erregungslage, räumliche Begebenheiten und Distanzen, Ressourcen, Stimmungsübertragung etc.);
  • wir lassen sie selten wissen, welches Verhalten wir stattdessen von ihnen erwarten;
  • wir anerkennen nicht, welche Anpassungsleistung sie in unserem reizerfüllten Alltag erbringen und überfordern sie, indem wir zu hohe Anforderungen stellen;
  • wir sind enttäuscht und frustriert, wenn unsere Herdenschutz-Mischlinge nicht den gleichen "will to please" zeigen, wie ein Labrador oder Bordercollie, obwohl sie eine völlig andere Funktionsbeschreibung in ihrem Stellenprofil haben;
  • wir erkennen nicht, wann wir unseren Hunden gewisse Entscheidungen abnehmen sollten, ärgern uns aber darüber, wenn sie Situationen dann auf ihre hündische Weise regeln;
  • sie arbeiten 24/7-Schichten;
  • sie können nicht kündigen.

Gewalt wurzelt dort, wo Wissen fehlt und Überforderung überwiegt. Lerne an unseren Kursen, warum dein Fluff tut, was er tut oder eben nicht tut, damit wir einen fairen Umgang mit unseren Hunden pflegen.


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12.06.2025 Schenk deinem Hund ein Lächeln!

Wusstest du, dass wissenschaftliche Studien belegen, dass Hunde zwischen wütenden und freudigen Gesichtsausdrücken bei uns Menschen unterscheiden können? Hunde vermeiden ausserdem den Anblick von wütenden Gesichtern. Schenk deinem Fluff ein Lächeln, es ist die beste Gratis-Belohnung. Dabei hat das Ganze auch noch einen positiven Nebeneffekt, denn beim vertrauensvollen Blickkontakt mit deinem Fluff wird das Bindungs- oder Kuschel-Hormon Oxytocin ausgeschüttet, ähnlich wie beim Kuscheln, Sex oder bei der Interaktion mit einer vertrauten Person. Dieses Hormon wirkt bei positiven sozialen Interaktionen bindungs- und vertrauensfördernd und kann sogar eine angstlösende und entspannende Wirkung haben. Dabei wird das Stresshormon Cortisol gesenkt, was zu einer spürbaren Entspannung führt. Ziemlich erstaunlich oder?


Links zu Fachartikeln und Studienergebnissen:

https://www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(14)01693-5

https://www.science.org/doi/10.1126/science.1261022?intcmp=collection-dogs


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31.05.2025 Geh Hallo sagen!

Stell dir vor, du steigst in eine Zeitmaschine und bist wieder 12 Jahre alt. Du bist zusammen mit einer Vertrauensperson unterwegs. Ihr seid gerade auf dem Nachhauseweg nach einem Kinobesuch. An einer Ecke stehen zwei Jugendliche. Deine Vertrauensperson sagt zu dir: 


"Hey, geh doch Hallo sagen, die sind in deinem Alter!" 


Klar, du findest die Jugendlichen cool und sie wecken dein Interesse, aber eigentlich überwiegt das Gefühl der Unsicherheit. Würdest du deinem Bauchgefühl vertrauen, dann wärst du weitergegangen oder hättest sie diskret aus sicherer Distanz beobachtet und abgewägt, wie sie so drauf sind. Weil du deiner Begleitung vertraust, nimmst du allen Mut zusammen und gehst trotzdem hin. Als du auf sie zugehst bemerkst du, dass sie einige Jahre älter sind als du.


Du entscheidest dich für eine nette Begrüssung, die sich bisher bewährt hat, um Diskussionen zu vermeiden. Sofort merkst du, dass deine übertrieben freundliche Art nicht gut ankommt und du dadurch unsicher wirkst. Genau dieses Verhalten provoziert die Jugendlichen und lässt die Situation eskalieren. Du wirst geschubst, fies angerempelt und unhöflich beschimpft. Eingeschüchtert rennst du zurück zu deiner Vertrauensperson. Dir fällt auf, dass sie total verunsichert dasteht, obwohl sie sonst dein Fels in der Brandung ist. Dies bestätigt dir, was sich da gerade abgespielt hat, war wohl ziemlich heikel. Ihr geht hastig weiter, ohne den Konflikt zu klären. Die Situation hinterlässt bei euch beiden ein ungutes Gefühl. 


Du denkst dir: 


"Beim nächsten Mal werde ich entweder sofort die Flucht ergreifen oder von Anfang an nicht mehr so freundlich sein!" 


Ausserdem hast du gelernt, dass du dich besser nicht immer auf die Entscheidungen deiner Vertrauensperson verlassen solltest. Seit diesem Ereignis versetzt sich dein Körper manchmal wie automatisch in Alarmbereitschaft, wenn du an diesem Ort vorbeigehst. Deine Muskeln spannen sich an, dein Puls rast, dein Atem geht schneller und dein Herz pocht wie wild gegen deine Brust. Du kannst förmlich spüren, wie dein Stresslevel ansteigt, auch wenn überhaupt nichts Bedrohliches zu sehen ist. Manchmal geschieht dies auch an anderen Orten, wenn du an einer Gruppe Jugendlicher vorbeigehst. Du spürst es kommen, aber kannst diese körperliche Reaktion nicht willentlich steuern. Unbeschwerte Begegnungen mit Jugendlichen sind für dich seit diesem Ereignis schwieriger geworden.


Deinem Junghund geht es manchmal vielleicht ganz ähnlich. Nur weil er jung ist, sich für andere Hunde interessiert und sich bei Begegnungen "freundlich" verhält, heisst dies aber noch lange nicht, dass er sich dabei auch wohl fühlt. Womöglich entscheidet er sich eigentlich nur für eine bewährte Flirt- oder Fiddle about-Strategie, um diese unangenehme Konflikt-Situation möglichst unbeschadet zu überstehen und für sich zu lösen. Er könnte irgendwann aber auch auf die erfolgversprechende Fight-Strategie (Angriff ist die beste Verteidigung) wechseln, wenn sich Flirt nicht bewährt oder Flucht nicht möglich ist. Gewisse Hunde erstarren aus purer Überforderung in ihren Bewegungen. Dies wird als Freeze oder Micro-Freeze bezeichnet. Diese Reaktion wird oft übersehen oder falsch interpretiert. Es gibt übrigens auch keine allgemeine Garantie, dass erwachsene Hunde einem Welpen nichts antun. Nur innerhalb eines geschlossenen, sozialen Gruppen-Verbands kann von einem gewissen Welpenschutz ausgegangen werden. Unterwegs treffen wir aber meistens auf fremde Hunde, weshalb dieses Prinzip nicht greift.


Gute Sozialkontakte sind sehr wertvoll und lehrreich für junge Hunde, aber sie sollten gezielt ausgewählt, achtsam begleitet und kontrolliert ablaufen. Für mich gilt daher: Keine Kontakte mit fremden Hunden sind besser, als solche, die völlig ausarten. Begegnungen mit fremden Hunden können problemlos aus sicherer Distanz, ruhig und beobachtend stattfinden, denn Hunde können sich mit ihren ausgeprägten Sinnesorganen auch so bestens wahrnehmen. Auch wir pflegen gute Sozialkontakte auf Distanz, unsere Hunde haben einfach noch keine Smartphones. 


Ich möchte Hunde keineswegs vermenschlichen. Vielmehr will ich aufzeigen, dass gewisse Lern-Mechanismen und körperliche Reaktionen bei Hunden und bei Menschen ähnlich ablaufen. Das hilft uns dabei, unsere Hunde besser zu verstehen und entsprechende Entscheidungen zu treffen.


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24.05.2025 Ein Haus mit Garten, muss nicht sein

Gute Hundehaltende bringen mehrjährige Hundeerfahrung mit, haben viel Zeit, sind bestenfalls im Pensionsalter und körperlich noch topfit. Und selbstverständlich haben sie ein Haus mit Garten. Solche Wunschprofile bilden die Realität nicht ab. Wäre dem so, hätte nur eine sehr ausgewählte Gruppe von Menschen die Möglichkeit, mit Hund zu leben. Diese Anforderungen stellen nicht selten eine Hürde für diejenigen dar, die noch nie einen Hund hatten. Demzufolge lassen sich jüngere Ersthundehaltende eher dazu verleiten, sich einen Hund über Umwege zu beschaffen. Öl in das Getriebe von illegalem Hundehandel und oft zum Leidwesen der Hunde...


Das Gute aber ist, Hunde sind bescheiden in ihren Ansprüchen, wenn wir ihre Bedürfnisse erkennen, sie verstehen und wir ihnen gerecht werden können. Was bringt dem Hund ein Haus mit Garten, wenn er darin vereinsamt? Hunde brauchen soziale Anbindung, Menschen die ihnen die Welt zeigen, bedarfsgerechtes Futter, Pflege und ein sicheres zu Hause, wo sie sich erholen können. Die Sicherheit und der Schutz einer Gruppe mit sozialen Strukturen sind wichtiger, als ein grosses Haus mit viel Umschwung. Ausserdem kann auch ein grosses Grundstück die täglichen Spaziergänge nicht ersetzen.


Klar, ich würde zu einem Haus mit Garten auch nicht nein sagen, aber dies wäre wohl eher mein Wunsch. Der Praxistest auf unseren Reisen hat nämlich gezeigt, unsere Hunde finden einen grossen Garten gar nicht so toll. Django: „So eine Frechheit, was soll ich alleine da draussen? Lasst mich gefälligst rein!“ Und Ellis, sofern wir sie denn finden, liegt irgendwo eingekugelt auf maximal 1m² unter einem Gebüsch. Sobald ihr ein Insekt zu nahe kommt, ergreift sie die Flucht und steht sofort vor der Haustür.


Unser Rezept, damit sowohl die Strassen-Streunerin als auch der arbeitswillige Labrador ganz ohne Hundesport in einer Quartier-Wohnung glücklich, ausgelastet und ausgeruht sind: Eine gesunde Balance zwischen haltgebenden Alltagsroutinen, viel Ruhe, sozialer Anbindung und bereichernden Spaziergängen. Wir wählen verschiedene Routen für mehr Abwechslung, alle gespickt mit den vielfältigen Alltagsreizen, die unsere Umgebung zu bieten hat. Wenn wir sie erkennen und nutzen, dann finden wir fast überall geeignetes Trainings-Gelände in unserem Alltag. Lerne auch du deinen Hund besser kennen und finde heraus, was ihr für euren Alltag braucht, damit sich alle wohl fühlen.


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20.05.2025 "Bis eine grännet"
Was ist “spielen” und wie sieht es aus? Was steckt alles hinter einem “Spiel”? Welche Absichten und Ziele haben die Hunde dabei? Will der Hund überhaupt spielen oder will es der Mensch? Wie viele Beteiligte hat ein Spiel? Wie lange dauert ein gutes Spiel? Wo wird gespielt? etc. etc. etc.


Spielen unter Hunden, ein Thema mit viel Potential für Fehlinterpretationen, Missverständnisse, falsche Erwartungen und Konflikte. Ausgewählte Spielsequenzen unter Artgenossen sind sehr lehrreich. Bei ungünstigen Voraussetzungen lernen sie aber nicht immer, was wir uns wünschen. Erfahre an unseren Kursen, worauf du beim Spielen achten kannst, damit es allen Beteiligten Spass macht.


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21.04.2025 Kopf oder Zahl?
Entscheidungen treffen ist anstrengend, darum überlassen wir sie gerne dem Zufall. Aber, wer trägt eigentlich die Verantwortung für die Entscheidungen, die wir nicht treffen?


Gewisse Hunde fühlen sich sehr schnell verantwortlich, für uns Entscheidungen zu treffen, wenn wir es nicht tun. Sie regeln die Dinge dann auf ihre hündische Weise. Müssen sie zu oft und zu viel selber entscheiden, kann diese Verantwortung zu Überforderung, Stress und unerwünschten Verhaltensweisen führen. Mit meinem Labrador aus der Arbeitslinie lebe ich mit einem solchen Hund zusammen. Mit seinem enormen Arbeitswillen sieht er in etlichen Situationen einen Auftrag, den er übernehmen könnte. Ohne ganz klaren Rahmen und definierten Pausen, kann er seinen Stress-Level nicht mehr selber regulieren und ist innert kürzester Zeit mit dem Alltag maximal überfordert.


Wir können unsere Hunde entlasten, indem wir ihnen im Alltag bestimmte kleine Entscheidungen bewusst abnehmen. Beispielsweise: 

  • Wann und wo geschlafen wird;
  • Wann wir ihre Nähe und Aufmerksamkeit wünschen und auf Spielaufforderungen einsteigen;
  • Wann wir zwar anwesend sind, aber unseren Hunden nicht zur Verfügung stehen;
  • Ob, wann und welche Spielsachen zur Verfügung stehen;
  • Wer zu Hause willkommen ist;
  • Wer Besuch zuerst begrüsst etc.

Gleichzeitig ist es mir wichtig, meinen Hunden klar zu vermitteln, welches Verhalten ich stattdessen von ihnen wünsche. Dieses bestätige und verstärke ich positiv - durch Lob, Aufmerksamkeit oder eine passende Belohnung. Denn woher sollen sie sonst wissen, was genau ich von ihnen erwarte?


Wenn klar ist, dass wir zu Hause mitreden, können unsere Hunde womöglich unsere Entscheidungen unterwegs irgendwann besser akzeptieren. Das heisst nicht, dass sie nie selber entscheiden sollen. Fragen wir uns einfach ab und zu: wer entscheidet wann, was und weshalb?


Dadurch regeln wir das Zusammenleben mit unseren Hunden als Sozialpartner. Wir übernehmen Verantwortung, klären was wir möchten und nicht möchten, ähnlich wie in einer WG, einer Paarbeziehung oder in der Familie. Mit Rangordnung oder dem Hund zu zeigen, wer der Chef ist, hat dies nichts zu tun. Wenn wir unsere Hunde mit bewussten Entscheidungen aus ihrer Verantwortung nehmen, ihnen den Weg leiten, Grenzen mit liebevoller Konsequenz aufzeigen, gibt ihnen das Orientierung und Sicherheit. Gewisse Hunde können dadurch sehr stark entlastet werden, damit sie sich nicht ständig verantwortlich fühlen und einen "Job" machen müssen. Sie lernen, dass sie sich auf unsere Entscheidungen verlassen und sich entspannen können. So entsteht eine ziemlich gute Basis für eine stabile Beziehung.


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17.04.2025 Kein Auto? Kein Problem!

Früher hatte ich kein Auto und es war für mich nicht einfach, ein passendes und bezahlbares Training in meiner Nähe zu finden. Die lange Anreise mit ÖV zu abgelegenen Trainingsplätzen war anstrengend und mein Junghund konnte sich dann im Training gar nicht mehr richtig konzentrieren. Darum sind die Treffpunkte für unsere Gruppen-Kurse zentral und zentrumsnah (mit Bus oder Zug ab Bern HB in nur wenigen Minuten erreichbar). Mir ist wichtig, dass unsere Trainings auch für Personen ohne Auto einfach und schnell zu erreichen sind. Wo wir uns beim nächsten Lern-Spaziergang am 25.04.2025 treffen, erfährst nach der Anmeldung oder auf Anfrage.


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11.04.2025 Was für ein toller Start

Zwei wunderbare Mensch-Hunde-Teams, lachende Gesichter und strahlender Sonnenschein gab es an unserem ersten Lern-Spaziergang von heute Vormittag. Gibt es ein schöneres Feedback, als wenn sich eine gestandene, 8-jährige Mischlings-Hündin aus dem Ausland-Tierschutz nach deinem ersten Training genüsslich am Boden wälzt? Das ist schwer zu toppen. Obwohl, diese kleine Teenie-Pudel-Madame hat ebenfalls grossartig mitgemacht und die Erholung nach dem Training mehr als verdient. Auch sie sieht ziemlich entspannt aus auf ihrer Heimreise mit dem Zug. Es kann gerne so weitergehen! Der nächste Spaziergang findet am Freitag, 25.04.2025, 10:00 - 11:15 Uhr statt, ich freue mich auf euch!


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30.03.2025 Hey Frühling, es kann losgehen

Endlich ist es soweit und die ersten Kurs-Daten für die Lern-Spaziergänge im April und Mai sind gesetzt. Ich freue mich auf ein lehrreiches und lustiges Miteinander.


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06.01.2025 Nein, mein Hund ist nicht perfekt!

Ein paar ehrliche Worte zum Jahresbeginn.

Django ist mein erster Hund und wir leben seit 2016 zusammen. Er ist ein Labrador aus der Arbeitslinie, kommt aus einer seriösen Schweizer Hobbyzucht, er hat als Welpe keine schlechte Erfahrungen gemacht und ich habe mit ihm von Anfang an Hundeschulen besucht. Er lernt blitzschnell, hat viel Energie und Ausdauer und eine enorme Motivation. Ich wollte bei ihm einfach absolut alles richtig machen und trainierte unterwegs täglich, um seinem aktiven Wesen gerecht zu werden. Damals besuchte ich einmal wöchentlich ein Begleithunde-Training bei einem lokalen kynologischen Verein. Der Hundetrainer war vom ersten Moment an schockverliebt und begeistert von Django's Arbeitswillen. Für ihn stand sofort fest: das kann kein Labrador sein, das ist ein Malinois im falschen Fell. Ich selbst konnte mich für diese Art des Trainings jedoch nur bedingt begeistern. Es fühlte sich an, als hätte ich einen perfekt programmierten Roboter an der Leine. Nach den Trainings fand Django kaum zur Ruhe: er blieb stundenlang im Arbeitsmodus, als könne er den Schalter einfach nicht mehr umlegen.


Mit etwa drei Jahren zeigte mein vermeintlich wohlerzogener Labrador die ersten herausfordernden Verhaltensweisen. Er klebte unentwegt an meiner Seite, kam zu Hause trotz (zu) viel Auslastung nicht zur Ruhe, draussen verbellte er plötzlich Jogger:innen, Velos, Kinderwagen, Hunde etc. Er interagierte unbeholfen oder unhöflich mit anderen Hunden und seine Körpersprache wirkte angespannt. Unterwegs irgendwo absitzen und Pause machen war unmöglich und bei den kleinsten Unsicherheiten meinerseits löste er bellend aus. Kurz gesagt, mein Hund konnte auf dem Trainingsplatz vieles wunderbar, war aber nicht sehr alltagstauglich. 


Ich verstand die Welt nicht mehr, schämte mich und kam oft an meine Grenzen. Wie konnte das nur passieren? Ich erwartete, dass er mit seinem stabilen Grundgehorsam problemlos im Alltag klarkommen sollte, doch ohne klare Anweisungen war er völlig überfordert. Mir war nicht bewusst, was mein Hund eigentlich brauchte. Heute weiss ich, wie sehr ich ihn mit meiner gut gemeinten Auslastung überreizte und ihn durch meine unklare Führung, zu wenig Ruhe und fehlende Strukturen überforderte. 


Seither haben wir viel gelernt und sind an schwierigen Themen gewachsen. Django ist ein grossartiger Hund und mein bester Lehrmeister. Seine hohe Erregungsempfindlichkeit gegenüber gewissen Reizen, Dynamiken und Konstellationen werde ich aber nicht einfach so „umerziehen“ können. Oft geht es dabei nicht um Gehorsam, sondern um emotionale Regulation. Wir arbeiten täglich daran, dass er sich im Alltag besser entspannen kann oder bei Hunde-Begegnungen zumindest nicht gleich aus dem Fluff fällt. Klappt's trotzdem nicht, hilft mir ein ehrlich gemeintes „Sorry!" mehr, als Schamgefühle, Rechtfertigungen oder Diskussionen. Ja, ein Hund der bellend in die Leine geht ist für mein Bild als Hundetrainerin nicht unbedingt von Vorteil, aber es zeigt die Realität. Denn, es ist nicht immer drin, was drauf steht und was gut gemeint ist, ist für den Hund nicht immer das Beste.


In diesem Sinne, Danke Django für die wunderbare Freundschaft und ein Hoch auf alle, die ihr Bestes geben, sich hinterfragen, durchhalten, Neues wagen und andere nicht aufgrund von einzelnen Situationen vorschnell verurteilen.


Es guets Nöis auersits!


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23.12.2024 Winter
Wir sind zurück und geniessen den tollen Schnee. Schon bald folgen die Kursdaten für die Gruppen-Kurse im 2025, ich freue mich auf euch!


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11.11.2024 Urlaub
Liebe Fluffs, wir sind am Atlantik in den Ferien und ab Anfang Dezember zurück in Bern. Liebe Grüsse. Dominique


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Knuff den Fluff für weiter...